Gorin-No-Sho ist berühmt, aber nur wenige haben es gelesen. Was macht
die „Schwertkampflehre“ eines mittelalterlichen, asozialen Aussteigers,
eines ronin (herrenloser Samurai), so faszinierend, dass sie in
Lustbaders (ausgezeichnetem) Roman Der Ninja zu literarischen
Ehren kam und bis in jüngste Zeit den modernen corporate soldiers
als Handbuch für das Überleben auf den Schlachtfeldern des
internationalen Wirtschaftslebens dient?
(Köhler, Musashi für Manager (1986);
Musashi für Manager (1986);
Krause, The Book of Five Rings for Executives (1999).
Es ist die faszinierende Mischung aus den klaren, aus der Praxis geborenen
Anleitungen für den Kampf Mann gegen Mann wie Armee gegen Armee, und der
Lebensgeschichte des Musashi aufgearbeitete in Yoshikawas Roman
Musashi.
Musashi wurde 1584 geboren, als sich Japan nach Jahrhunderten Bürgerkrieg am
Beginn einer Epoche des Friedens befand. Schon in früher Jugend befasste
er sich mit Kendo und besiegte mit dreizehn seinen ersten Gegner, einen
erfahrenen samurai. Danach zog er als ronin durch Japan
und bestand siegreich viele Kämpfe. Die berühmte Schlacht von Sekigahara
1600 überlebte er auf der Seite der Verlierer. Wieder zog er durch
Japan, forderte die besten Kämpfer an Schwertkampfschulen und
Fürstenhöfen zum Duell und gewann in fast allen Fällen. Musashi
verwendete teilweise gar keine richtigen Schwerter, sondern Holzstöcke
und entwickelte eine eigene Technik im Kampf mit zwei Schwertern
gleichzeitig („nitô“). Daneben betätigte er sich auch sehr
erfolgreich als Lehrer, Maler, Kalligraph und Handwerker
(Schwertzubehör) sowie gelegentlich als Soldat in Armeen der Tokugawa.
Mit 59 Jahren zog er sich in die Höhle reigendo zurück und
schrieb das Gorin-No-Sho. Kurz nach dessen Fertigstellung starb er im
Alter von 61 Jahren.
Gorin-No-Sho behandelt in seinen fünf Büchern der Erde, des Wassers, des
Feuers, des Windes und der Leere die Technik und Strategie des Kampfes,
sowohl im Einzelkampf als auch im Grossen. Es ist so verfasst, dass der
Anfänger zu folgen vermag, aber auch der Fortgeschrittenen, ja der
Meister auf höherer Ebene immer wieder neue Erkenntnisse sammeln kann.
Ein Buch, das man öfter lesen kann und muss. Musashi selbst sah sich
Zeit seines Lebens als Suchender und Lernender. Die universelle
Anwendbarkeit seiner Prinzipien formulierte Musashi selbst: “Wenn Du auf
dem Weg der Waffenkunst Vollkommenheit erreicht hast, gibt es nichts
mehr, was du nicht verstehst. Du wirst dann den Weg in allen Dingen
erkennen.“ So kam es, dass japanische und auch westliche Geschäftsleute
das Gorin-No-Sho als Handbuch für die Durchführung ihrer ökonomischen
Feldzüge verwendeten.
Bei alle Wichtigkeit theoretischer Überlegungen war Musashi soweit
Praktiker, dass er wusste, worauf es im Kampfkunsttraining ankommt.
Jedes Kapitel endet mit dem folgenden oder einem sinngemäßen Satz:
„Bedenke das, und übe es fleißig“.